Der Jahreswechsel auf das Jahr 2020 veranlasst uns, einmal zurückzuschauen, und auch vorauszuschauen, auf das was kommen wird und wie wir es gestalten können.

Wir leben in einer Zeit der Veränderung. Um das Alte und das Neue zu verbinden, hatte sich der Heimatverein Seifersdorf Gedanken gemacht und im letzten Herbst eine Idee umgesetzt. An der alten Wegekreuzung, in exponierter Lage zwischen Seifersdorf-Mobendorf-Goßberg, wurde eine toll gestaltete, massive Holzbank errichtet. Die alte Linde, die vorher hier stand, war vor längerem ein Opfer des Straßenverkehrs geworden und kann keine Geschichten mehr erzählen. Sie wurde durch eine neue ersetzt, welche nun bereits gut 7 Jahre am Standort steht und nun schon eine Höhe von fast fünf Meter erreicht hat. Sie wird nun wachsen und die große Sitzgruppe bald klein aussehen lassen. Es ist schön zu sehen, dass die „Lindenbank“ sehr gut angenommen wird.

einweihungsfeier

Hier, am heutigen „Großen Rundwanderweg Lichtenstein“ hat man nun einen wunderbaren 360 ° Rundumblick, von 355 m Höhe, auf unser schönes sächsisches Heimatland. Eingebettet, in die Täler der Striegis und Perze, sind die Ortschaften weithin sichtbar und eine Wohltat für Auge und Seele. Man kann nun hier Rasten und sich in aller Ruhe umsehen und die Aussicht genießen.

Wenn man dies bewusst tut, wird man die unglaubliche Veränderung der Landschafft der letzten 30 Jahre erkennen. Es sind an sich alles gute und nützliche Veränderungen, welche zu unserem Leben dazugehören. Aber sie regen auch zum Nachdenken an. Man kann vor allen feststellen, dass wir in keiner Blickachse mehr unberührte Naturflächen vorfinden. Überall sind Zeichen von Besiedlung, Gewerbe, Industriebauten und intensiver Landwirtschaft zu sehen. In jeder Richtung ragen Spitzen von Windkraftanlagen hervor. Dominant im Osten, ist die Fläche des „Seifersdorfer“ Steinbruchbetriebes zu sehen. Dort kann man sehr schön beobachten, wie die Natur sich die Abraumhalden zurückerobert. Dahinter, Richtung Süden, ist das Gewerbegebiet Am Steinberg und Großschirma mit den Wohnblöcken und den großen Getreidesilos zu sehen.

was ist das

Direkt zur Spitze des Galgenberges (371 m), ist seit gut 5 Jahren der Blick durch eine Funknetzstation verdeckt. Da dieser Funkumsetzer für die öffentlichen Hilfsdienstfunknetze gebraucht wird, muss man diesen schlecht positionierten Turm mit Technikgebäude entschuldigen können.

Im Süden grüßt der Wasserturm von Bräunsdorf, seit gut 115 Jahren. Dessen baulicher Zustand und die Eigentumsfrage lässt allerdings keine gute Zukunft erkennen.

Im Westen, kann man bei gutem Wetter in der Ferne den Schornstein vom Kraftwerk Süd, Chemnitz erkennen. Davor sieht man deutlich, an den Fichtenbeständen des Striegistales, die unglaublichen Schäden durch Dürre und Borkenkäferbefall. Man kann sich gut vorstellen, dass die Fichte hier keine Zukunft mehr hat.

blick nach norden

In Richtung Norden sieht es aus, als wäre ein riesiges Ufo gelandet. Ein deutliches Zeichen des heutigen schnellen Wachstums, der EDEKA Logistikkomplex an der Autobahn. Wie ein wild in die Landschaft abgeworfenes Paket, wie ein Fremdkörper, liegt es vor dem Zellwald. Die Bautätigkeiten an diesem Standort sind noch nicht beendet und weitere Veränderungen sind zu erwarten.

Es gab sicher auch in den älteren Zeiten große Landschaftsveränderungen. Man denke da an die Blütezeit des Bergbaues, vor über 150 Jahren, als bis in die Ortslagen fast das ganze Nutzholz gerodet wurde und schwere dunkle Rauchsäulen aus der Ferne von Halsbrücke und Freiberg von der Verhüttung der geförderten Erze zeugten. Auch der letzte große Bergbau in Seifersdorf auf Silber, im Tiefen Seitenberg Erbstollen, welcher erst 1874 ganz zum Erliegen kam, wird auch von dieser Stelle aus, durch den Rauch der Dampfmaschine, vom Förderschacht des Seitenbergs, weithin sichtbar gewesen sein. Vielleicht wurde hier vorbei, am Heumühlenberg, die für die Dampfmaschine benötigte Kohle, aus dem Hainichener Kohlerevier mit schweren Pferdefuhrwerken transportiert.

blick nach grossschirma

Interessant ist heute zu sehen, wie sich an manchen Stellen, die landwirtschaftlichen Flächen durch Heckenstreifen, schnellwachsende Holzplantagen und durch kleinere Feldstrukturen wieder auflockern. Hier ist der Mut und die Energie der landwirtschaftlichen Kleinbetrieben zu bewundern, die versuchen, sich gegen die großen Player der Landwirtschaft, mit ihren riesigen Mais und Rapsflächen, zu behaupten. Man kann aus der Ferne direkte kleine Netzwerke erkennen, welche der Fauna und Flora neue Chancen bieten. Das kann aber nur schwer darüber hinweg täuschen, das die heutigen Besitzerverhältnisse ganz andere sind, wie vor 30 Jahren, als alles umgekrempelt wurde. So, wie der Steinbruchbetrieb von der Ferne gelenkt wird, die Verwaltung von ganzen 9 Ortschaften zentralisiert wurde, die größten Landwirtschaftsbetriebe nicht den hiesigen Bauern gehören, so ist auch die ganze Versorgung der Bevölkerung nicht mehr von eigenen Produzenten und Handel geprägt, sondern von großen Supermarkt und Handelsketten abhängig. Wenn da mal plötzlich die Türen nicht mehr aufgehen, gibt es ein großes Geschrei. Deshalb sollte man wach sein und die noch existierenden Alternativen wahrnehmen und nutzen. Das EDEKA Zentrallager sollte Mahnung genug sein. Man muss sich schon fragen wohin dieser grenzenlose Wachstum und Flächenverbrauch noch hinführen soll. Geht es vielleicht doch anders, kleingliedriger, mit Nutzung der schon vorhandenen Strukturen? Aber die Weichen sind schon gestellt und ich bin gespannt, wie es wohl in weiteren 30 Jahren aussieht, falls man da nochmal ein Resümee ziehen kann.

Auf jeden Fall ist von diesem Aussichtsplatz eine interessante Landschaft zu beobachten. Hier kann man entspannen und sich entschleunigen. Natürlich kann man hier auch plötzlich gestört werden, von einheimischen und fremden Unholden, die mit überhöhter Geschwindigkeit auf der schmalen Straße an der Aussichtsbank vorbei, zum nächsten Termin der Zeit hinterher eilen. Will man etwas mehr Ruhe haben, muss man zur Bank auf dem Galgenberg pilgern, von wo man auf die Ortslage von Seifersdorf einen besonders schönen direkten Blick genießen kann. Hier in Seifersdorf, werden wir weiter mit viel Energie und Spaß an der Sache, an der Gestaltung unserer Lebensqualität im Ort arbeiten. Der Heimatverein Seifersdorf wünscht allen ein gesundes, friedliches, erfolgreiches und glückliches 2020. Wir wünschen allen Heimatfreunden vor allem das, was die Menschheit schon immer antreibt; viel Neugier auf Altes und Neues.

Holger Pönitz
Heimatverein Perzebach e.V. Seifersdorf